Porträt von Dr. Stefan Selke
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Die Schattenseite des Erfolges
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Tafeln und Suppenküchen – Die Schattenseite des Erfolges

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Stefan Selke, Furtwangen

 

Lebensmitteltafeln (kurz: Tafeln) sind Einrichtungen, die bedürftige Menschen mit Lebensmitteln unterstützen. Nahrungsmittel, die in unserer Überflussgesellschaft ansonsten vernichtet würden. Sie weisen nachdrücklich darauf hin, dass es selbst in einem der reichsten Länder der Welt Armut gibt. Hochrechnungen deuten darauf hin, dass in Deutschland durch die Tafeln etwa eine halbe Million Menschen versorgt werden. Und das haben wir angerichtet: Meist unscheinbar, mitten unter uns, haben sich Tafeln als vielschichtige soziale Orte etabliert, die uns allen Fragen an das Grundverständnis von Gesellschaft und Gerechtigkeit stellen.

 

Hartmut Böhme, Professor für Kulturtheorie an der Humboldt-Universität in Berlin, hat es einmal folgendermaßen formuliert: „Wer nur empfangen kann, dem kann befohlen werden. Er bleibt in der Schuld hängen, die ihn durch die (staatliche) Zuwendung getroffen hat; er wird gesichts- und namenlos, er wird zum bloßen Ding, dass passiv im Tauschverkehr eingespeist werden kann.“

 

Spätestens seit in der TV-Serie „Tatort“ das Leiden der Anderen als Hintergrundkulisse gezeigt wurde, sind die Tafeln vielen Menschen ein Begriff. Sie sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.

 

Tafeln sind jedoch mehr als Umschlagplätze für Nahrungsmittel. Bisher fehlt konsequentes Nachdenken über die Frage, welche weitreichenden Folgen die Tafeln mit sich bringen, ob sie die Lösung des Problems sind oder ein Teil davon. Darüber kann man verschiedener Meinung sein.

 

Deshalb möchten die Initiatoren der Hattersheimer-Hofheimer Tafel mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern diskutieren. Als Referent konnte der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen gewonnen werden.

 

Selke selber begann 2007 bei einer Tafel in Baden-Württemberg mitzuarbeiten und konnte bei dieser, wie er es nennt, „ethnografischen Erkundung“, einen tiefen Einblick in die Welt der Lebensmitteltafeln und Suppenküchen gewinnen.

 

Seine Ergebnisse hat er in einem 230 Seiten starken Buch mit dem Titel „Fast ganz unten – Wie man in Deutschland mit Hilfe von Lebensmitteltafeln satt wird“ zusammengefasst. „Es ist eine gut lesbare Sozialreportage, die man ohne Übertreibung als erste soziologische Analyse des Tafelphänomens in Deutschland bezeichnen kann“ (Klaus Störch in „Sozialmagazin - Die Zeitschrift für Soziale Arbeit“).

 

Die Veranstaltung mit Prof. Dr. Stefan Selke findet Mittwoch, den 02. September 2009, um 19.30 Uhr im Hause Sankt Martin am Autoberg, Frankfurter Straße 43, in Hattersheim statt. Moderation. Ottmar Vorländer, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Bezirk Main Taunus e.V. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

25. August 2009                                                                                             K.S.